Ansprüche haben sich verändert

Geburtenrückgang

Bei der Geburt ihres ersten Kindes sind Mütter in Deutschland im Durchschnitt bereits über 30 Jahre alt, Tendenz seit den 1970er Jahren steigend. Mit längeren Ausbildungszeiten alleine lässt sich so eine tiefgreifende Veränderung in der Bevölkerungsstruktur allerdings nicht erklären. Gründe für späte Eltern- beziehungsweise Mutterschaft gibt es viele. Die meisten sind ganz privat und individuell. Das zeigt auch eine Studie der Arbeitsgruppe “Zukunft mit Kindern” der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die zum Beispiel gestiegene Ansprüche an die persönliche Entwicklung, hohe qualitative Ansprüche an Elternschaft sowie gestiegene Erwartungen an die Qualität einer Partnerschaft als Gründe identifiziert.

Die "Fertility Gap", die Kluft zwischen formuliertem Kinderwunsch und tatsächlicher Geburtenrate, ist einer dieser Gründe. Laut oben genannter Studie wünschen sich die Befragten nämlich im Durchschnitt zwei, bekommen aber statistisch betrachtet nur 1,5 Kinder. Dass liegt vor allem daran, dass sich viele Frauen heutzutage erst spät für ein Kind bzw. für mehrere Kinder entscheiden.

In einem Dossier zur Studie vermuten die Forscher außerdem, dass viele, die ihren Kinderwunsch “jetzt noch nicht” realisieren möchten, denken, dass dafür noch genug Zeit sei. Das belegen Zahlen aus den Allensbacher Berichten von 2007. Damals gaben 40 Prozent der Deutschen zu Protokoll, sie schätzten, dass es rein biologisch erst mit etwa 40 Jahren für eine Frau schwieriger wird, schwanger zu werden. 14 Prozent waren sogar der Meinung, dass das erst ab etwa 45 Jahren der Fall ist.

Tatsächlich verringert sich die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden aber schon ab dem 30. Lebensjahr der Frau. In einem Alter von über 40 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, bereits unfruchtbar zu sein, erheblich größer als die Wahrscheinlichkeit, noch schwanger zu werden.

Es gibt aber auch gesellschaftliche Gründe, die dafür sorgen, dass Frauen heutzutage erst spät oder gar keine Kinder bekommen. Zum einen sind Frauen heutzutage viel selbstbewusster als sie es früher einmal waren. Sie machen vielfach Karriere und stehen auf eigenen Beinen fest im Leben.

Durch eine Schwangerschaft und die spätere Betreuung des Kindes – die auch heutzutage hauptsächlich durch  Frauen geleistet wird – müssen Frauen zwar nicht zwingend mit einem Karriereknick rechnen, ihn aber doch als Möglichkeit in Betracht ziehen. Denn Deutschland weist  im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer schlechte Bedinungen auf.